Medizin-Studienplätze nicht abbauen, sondern länderübergreifend gerechter finanzieren!
"Wir brauchen einen besseren Ausgleich zwischen den Bundesländern bei der Finanzierung der teuren Studienplätze in Human- und Zahnmedizin". Diese Forderung stellt der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Dr. Ernst Dieter Rossmann mit Blick auf die besondere Situation der überproportional vielen Studierenden in Humanmedizin in Schleswig-Holstein. Rossmann weist darauf hin, dass Schleswig-Holstein rund 20 Prozent mehr Studierende pro 1000 Einwohner in der Humanmedizin hat als im Bundesdurchschnitt und auch bei den Studienanfän-gern diese Mehrleistung des Landes zu verzeichnen ist.
Rossmann: „Angesichts der bedeutenden Leistung, die von Schleswig-Holstein dadurch zusätzlich für die Sicherung der medizinischen Versorgung in Deutschland übernommen wird, ist es nur Recht und billig, hier das Modell ‚Geld folgt Studierenden‘ für diesen wichtigen Ausbildungsbereich an Hochschulen ins Auge zu fassen“. Bisher waren solche Überlegungen, nach denen die Herkunftsländer für die Studienaufwendungen für die jeweiligen Landeskindern in anderen Bundesländern einen entsprechenden Ausgleich zu zahlen hatten, auf der Ebene der Kultusminister verworfen worden. Die SPD hatte solche Konzepte schon wiederholt in die Diskussion gebracht, konnte hier aber bisher nicht damit zum Erfolg kommen. Rossmann: "Ich kann die Landesregierung in Schleswig-Holstein nur auffordern, sich an dieser Stelle nicht zu verweigern, sondern im sehr wichtigen Bereich der zukünftigen Gesundheitsversorgung durch qualifizierte Mediziner einen Vorstoß zu machen, für diesen speziellen Studienbereich einen solchen gerechten Ausgleichsmechanismus in Deutschland einzuführen."
Immerhin kostet ein Universitätsstudium zum Mediziner in Deutschland im Durchschnitt rund 211.000 Euro. Die Ausbildungsleistung in Schleswig-Holstein liegt dabei noch nicht an der Spitze: Es gibt noch sieben der 16 Bundesländer, die im Jahr 2009/2010 proportional noch mehr Studienplätze angeboten haben als Schleswig-Holstein. Allerdings haben acht Bundesländer auch deutlich weniger Studienplätze für Medizin vorgehalten.
Rossmann: „Wir laufen absehbar auf eine Ärztelücke in Deutschland zu. Experten sagen uns, dass jetzt schon 15.000 ausgebildete Ärzte in Deutschland fehlen. Da wäre das Signal aus Schleswig-Holstein, Medizin-Studienplätze in massiver Zahl in Lübeck abzubauen, natürlich verfehlt.“ Im Übrigen würde auch ein Bund-Länder-Sonderprogramm für zusätzliche Studienanfängerplätze, wie es derzeit in der Erörterung ist, das Problem der sehr unterschiedlichen Leistungen der Bundes-länder für die Medizinerausbildung nicht vollkommen lösen können. Für Schleswig-Holstein würde mit einem solchen gemeinsamen Bund-Länder-Konzept zur Sicherung der Medizinerausbildung allerdings schon viel gewonnen werden können. Wenn Schleswig-Holstein für die Studierenden der Medizin, die es über den Durch-schnitt hinaus ausbildet, entsprechende Zahlungen aus einem Gesamtfonds bekommen könnte, wären es 35 bis 45 Millionen Euro mehr, so hat es der Abgeordnete hochgerechnet. Rossmann: „Das sollte ein Argument für die Landesregierung sein, eine bundespolitische Initiative für einen stärkeren Länderausgleich und gezielte Unterstützungsprogramme für die Medizinerausbildung zu ergreifen.“



