"Atomkraft ist eine Brücke in den GAU"
SPD-Abgeordnete diskutierten über Energiewende
Es ist eine Frage des Wollens und nicht des Könnens, darüber waren sich jetzt die Teilnehmer einer Diskussionsrunde zum Thema Energieversorgung der Zukunft einig. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Ernst Dieter Rossmann hatte den stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion Ulrich Kelber zu diesem Thema nach Pinneberg ins Cap Polonio eingeladen. Als Co-Referenten waren der Ökonom Prof. Olaf Specht und der regionale Beauftragte der IG-Metal Uwe Zabel vor Ort.
Der aus Bonn angereiste Kelber und der emiritierte Professor an der Fachhochschule Wedel Specht setzten sich in ihren Beiträgen äußerst kritisch mit dem Energiekonzept der Regierung auseinander. Die von der Prognos AG im Auftrag der Regierung durchgeführte Studie, mit der bewiesen werden sollte, dass Kernenergie als „Brückentechnologie“ nötig ist, sei verfälscht. „Die Studie stellt die falschen Fragen und gibt dazu die falschen Antworten. Insbesondere werden die Rahmenbedingungen bei der Laufzeitverlängerung beschönigt,“ attackierte Specht die Studie.
„Da hat die Bundesregierung versucht, mit Biegen und Brechen die Interessen von Großkonzernen durchzuboxen. Beispielsweise unterstellt die Studie, dass die Menschen bei Verlängerung der AKW-Laufzeiten viel weniger Strom verbrauchen, als beim Ausbau von Erneuerbaren Energien“, bestätigte Kelber den Professor für Volks- und Betriebswirtschaft.
Beide führten für ihre Argumentation eine Studie des Flensburger Klimaforschers Olav Hohmeyer ins Feld, die davon ausgeht, dass bis zum Jahr 2050 der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien kommen kann.
Der Ökonom Specht und der Politiker Kelber machten deutlich, dass durch die industrielle Produktion von sauberer Energie deren Preis immer weiter fallen wird.
Dazu nötig seien zwar Anfangdsinvestitionen in Milliardenhöhe, aber der jetzige Strommix würde erheblich teurer werden. „Fossile Rohstoffe werden 2030 nicht mehr bezahlbar sein“, fasste Rossmann die Darlegungen seiner Gäste zusammen.
„Bei der Investition in Erneuerbare Energien handelt es sich auch um eine Investition in Arbeitskräfte. Bereits heute arbeiten 340.000 Menschen in dieser Branche. Das sind hochqualifizierte Leute – und bei weiteren Investitionen könnten es bis zu 500.000 werden. Merkels Pläne werden diese Jobs zerstören“, beleuchtete der Uwe Zabel die Folgen der Laufzeitverlängerung für den Arbeitsmarkt. In der Atombranche seien lediglich 30.000 Menschen direkt beschäftigt, die auch bei einem Atomausstieg bis auf weiteres eingesetzt werden müssten.
Fazit der Anwesenden war, dass es sich bei der Entscheidung über den Atomausstieg vor allem um eine Machtfrage handelt und dass nur mit einem breiten Engagement aller Bürger der Einfluss der Großkonzernen gebrochen werden könne.








